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    ver.di: Bunderegierung muss Schutz der Beschäftigten in Gesundheitswesen höchste Priorität einräumen - Maßnahmen für Krankenhäuser reichen nicht aus

    Die Gewerkschaft ver.di fordert, keine Möglichkeit zu unterlassen, um Beschäftigte im Gesundheitswesen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. "Alle Beschäftigten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und im Rettungsdienst müssen die Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel erhalten, die sie brauchen, um sich und andere zu schützen", erklärte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke.

    Es sei offensichtlich, dass der Markt an dieser Stelle versage. Es gebe zu wenig Material, und wenn es angeboten werde, müssten völlig überhöhte Preise gezahlt werden. "Wenn Geschäftemacherei mit dringend benötigten Schutzausrüstungen betrieben wird, muss die Bundesregierung diese beschlagnahmen  und für eine zügige Verteilung sorgen. Alle gewerblichen Firmen, die dazu beitragen können, müssen jetzt verpflichtet werden, ihre Produktion umzustellen und dringend benötigte Schutzanzüge, Mundschutz und Desinfektionsmittel herzustellen, um den Schutz der Beschäftigten sowie der Patienten und Pflegebedürftigen sicherzustellen." Wie viele Menschen gerettet werden könnten, hänge maßgeblich von ausreichenden Schutzmaßnahmen ab. "In den Krankenhäusern brauchen nicht nur die Pflege und der ärztliche Dienst, sondern auch Reinigungskräfte und andere Beschäftigte mit Patientenkontakt Schutzausrüstung. Gleiches gilt für die stationäre und ambulante Altenhilfe", so Werneke. Obwohl ältere Menschen am stärksten gefährdet seien, seien die Schutzmaßnahmen ausgerechnet hier oft unzureichend oder nicht existent. 

    Die von der Bundesregierung am Montag auf den Weg gebrachten Maßnahmen zur Entlastung der Krankenhäuser und anderer Gesundheitseinrichtungen seien nicht ausreichend. "Der Rettungsschirm ist löchrig", kritisierte Werneke. So dürfe in den Krankenhäusern die Finanzierung zusätzlicher Personalkosten nicht auf die Pflege beschränkt bleiben. Auch im Reinigungsdienst müsse dringend mehr Personal eingesetzt werden. Reinigung "auf Sicht" dürfe es weder im Krankenhaus noch in der stationären Langzeitpflege geben. 

    "Es ist keine Zeit für Gesundheitsbürokratie. In den Kliniken muss das System der Dokumentation und Abrechnung nach diagnosebezogenen Fallpauschalen, den DRGs, ausgesetzt werden", sagte Sylvia Bühler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesundheitswesen zuständig ist.

    "Um die Finanzierung aller notwendigen Maßnahmen gegen Covid-19 in den Krankenhäusern abzusichern, braucht es handhabbare pauschale Lösungen." Auch Reha-Kliniken, die dringend für die Versorgungskette gebraucht würden, seien trotz einiger Regelungen noch nicht abgesichert. Hier müsse die Bundesregierung endlich für Sicherheit sorgen. "Jede Hand im Gesundheitswesen wird jetzt gebraucht", so Bühler. 

    Die Kliniken müssten endlich konsequent alle medizinisch nicht unmittelbar nötigen Operationen verschieben, um Kapazitäten für die zu erwartenden Covid-19-Patientinnen und -Patienten freizumachen und das Personal auf die neuen Aufgaben vorbereiten zu können, betonte Bühler. "Wenn Klinikbetreiber aus wirtschaftlichen Gründen weiter operieren lassen, ist das unverantwortlich und zeigt, dass gehörig etwas schief läuft." Die Gewerkschafterin appellierte an die Leitungen von Gesundheitseinrichtungen, die Beschäftigten über alle Maßnahmen gut zu informieren und deren Vertreterinnen und Vertreter in die Krisenstäbe einzubeziehen. "Die Beschäftigten sind die Experten vor Ort. Ihre Erfahrung und ihr Wissen müssen gehört werden." 

    Bühler forderte, bereits qualifizierten Beschäftigten Anreize zu bieten, in die Gesundheitsberufe zurückzukehren, und Teilzeitkräften die Aufstockung ihrer Arbeitszeiten zu ermöglichen.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse jetzt verbindlich zusagen, die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und ver.di geforderte Personalbemessung im Krankenhaus, die PPR 2.0, nach Abflauen der Pandemie umzusetzen. "Die Beschäftigten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen setzen sich mit aller Kraft dafür ein, das Leben der ihnen anvertrauten Menschen zu schützen. Sie erwarten, dass es nach dieser Krise grundlegend besser wird. Wie systemrelevant ein funktionierendes Gesundheitswesen ist, muss inzwischen jedem klargeworden sein."

     

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