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    (Fake und) Fakten zum DRK Streik

    DRK Kreisverband Harburg

    (Fake und) Fakten zum DRK Streik

    Wir dokumentieren und kommentieren ein Interview in "Aktuelles aus Süderelbe" mit dem Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes Hamburg-Harburg Harald Krüger:

     

    Harald Krüger: Wir respektieren selbstverständlich das Streikrecht der Beschäftigten, sind jedoch irritiert sowohl über den Zeitpunkt des Warnstreiks als auch über einige der kursierenden Forderungen und Behauptungen, die jeder sachlichen Grundlage entbehren. So ist es schlicht unwahr, dass pädagogische Beschäftigte beim DRK Hamburg-Harburg grundsätzlich weniger verdienen würden als bei anderen Trägern oder dass Gehälter oder Sozialleistungen von uns gekürzt worden wären.

    Anmerkung ver.di: Wir haben nicht behauptet, dass Gehälter oder Sozialleitungen gekürzt worden sind. Wahr ist allerdings, dass bei der DRK Pädagogik gGmbH keine Tarifbindung existiert, weder an den DRK-Reformtarifvertrag noch an einen anderen. Tarifgebundene Träger in Hamburg zahlen ALLE mehr als das DRK Hamburg-Harburg. Freie Träger orientieren sich meist an der Vergütung der Elbkinder, die Mitglied der Arbeitsrechtlichen Vereinigung Hamburg (AVH) sind und für die damit der TV AVH für Kitas gilt. Beim Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes sind die Kitas (DRK KiJu) tarifgebunden an den DRK Reformtarifvertrag. Dort bekommen sie allerdings auch eine Jahressonderzahlung und haben eine niedrigere Arbeitszeit.

    Harald Krüger: Richtig ist vielmehr, dass die Beschäftigten entsprechend der Entgelttabelle bezahlt werden, die die Gewerkschaft ver.di für alle DRK-Kindertagesstätten bundesweit im sogenannten DRK-Reformtarifvertrag ausgehandelt hat.

    Anmerkung ver.di: Die Arbeitszeit nach dem DRK Reformtarifvertrag beträgt 39 Std, bei der DRK Pädagogik gGmbH 40 Std, bei gleicher Vergütung. Die übrigen Tarifverträge sehen eine Arbeitszeit von 38,5 und ein höheres Monatsentgelt vor.

    Harald Krüger: Dass das DRK Hamburg-Harburg und ver.di derzeit über einen darüber hinaus gehenden Tarifvertrag für die pädagogischen Beschäftigten verhandeln, geht auf unsere eigene Initiative als Arbeitgeber zurück.

    Anmerkung ver.di: Das ist richtig. Wir haben jedoch schon zu Beginn der Verhandlungen darauf hingewiesen, dass für uns ein Tarifvertrag, mit dem wir das Hamburger Branchenniveau unterschreiten nicht vorstellbar ist.

    Harald Krüger: Die Verhandlungen dienen dazu, einzelne Punkte wie beispielsweise die Anerkennung von Berufserfahrung einvernehmlich und verlässlich zu regeln.

    Anmerkung ver.di: Das ist die Sicht des Arbeitgebers. Für uns steht die Aufwertung und die vergleichbare tarifliche Regelung einer Branche im Vordergrund. Wir wünschen uns dabei auch einvernehmliche Regelungen auf Branchenniveau und vernünftige Übergangsregelungen.

    Harald Krüger: Zuletzt verliefen die Tarifgespräche in einer konstruktiven Atmosphäre.“

    Anmerkung ver.di: Dennoch haben wir nach fünf Verhandlungsterminen kein annehmbares Angebot, sondern einen Verhandlungsstand, der noch unterhalb des (für Hamburger Verhältnisse niedrigen) DRK Reformtarif liegt.

    Harald Krüger: Ein Warnstreik kommt deshalb für uns zum jetzigen Zeitpunkt überraschend und belastet die Verhandlungen, zu denen wir nach wie vor bereit sind.

    Anmerkung ver.di: Die Kündigung eines Mitgliedes der Tarifkommission belastet die Verhandlungen ebenfalls.

    Update 21.02.2020: Die Kündigung wurde von der Geschäftsführung wieder zurückgenommen.

    Update: 24.02.2020: Es wurde eine erneute Kündigung ausgesprochen. Warum und mit welcher Motivation beim DRK Harburg so mit engagierten Beschäftigten umgegangen wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Unser Mitglied geht mit dem ver.di Rechtsschutz selbstverständlich gegen die Kündigung vor.

    Harald Krüger: Wir bedauern sehr, dass die Aktion auf Kosten der Eltern und ihren in unseren Kitas betreuten Kindern geht. Um wenigstens eine Notbetreuung anbieten zu können, ist bei einem Warnstreik die Zustimmung der Gewerkschaft erforderlich.  Diese Zustimmung wurde uns leider verweigert, da Ver.di keine Notwendigkeit für einen Notdienst während des Streiks sieht. Die Familien bitten wir für die entstehenden Unannehmlichkeiten um Verständnis.

    Anmerkung ver.di: ver.di hat eine Notdienstvereinbarung mit der sich die Gewerkschaft verpflichtet eine Notbetreuung anzubieten abgelehnt. Notdienstvereinbarungen schließen wir in den Fällen ab, wo durch einen Streik sonst eine unmittelbare Gefährdung für Menschen oder Anlagen entstehen würde. Der Arbeitgeber ist aber dennoch frei, eine Notbetreuung zu organisieren, z.B. mit nicht Streikwilligen Kolleginnen und Kollegen. Es darf nur niemand zum Notdienst verpflichtet werden. Von den Eltern haben wir sehr viel Verständnis für die Notwendigkeit des Streikes und Zuspruch bekommen.

    Und das es auch konstruktiv, wertschätzend und auf Augenhöhe geht, zeigen die aktuellen Tarifverhandlungen mit dem DRK Landesverband.