Altenpflege

    Gesundheitsministerkonferenz 21. Juni 2017 in Bremen

    Gesundheitsministerkonferenz 21. Juni 2017 in Bremen

    Aktion der Bundesfachkommission Altenpflege:

    Die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten die auszogen um für ein besseres Leben im Alter zu kämpfen

    Frei nach den Gebrüdern Grimm

    Es arbeitete in einem Pflegeheim ein Esel als Altenpfleger, der schon lange Jahre beliebt bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern war, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass ihm die Arbeit als Altenpfleger immer schwerer fiel. Da dachte die Heimleitung, ihn raus zu werfen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind im Heim wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.

    Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. „Nun, was jappst du so, Kollege?“, fragte der Esel. „Ach“, sagte der Hund, „ich arbeite in der ambulanten Pflege, weil ich aber alt bin und jeden Tag schwächer werde, schaffe ich die Touren im Pflegedienst immer schlechter. Meine Chefin wollte mich schon in Altersteilzeit schicken, da hab ich Reißaus genommen: denn Altersteilzeit reicht mir nicht zum Brot kaufen!“ „Weißt du was“, sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken“. Der Hund war’s zufrieden, und sie gingen weiter.

    Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Nun, was ist dir in die Quere gekommen“, alter Bartputzer?“ sprach der Esel. „Wer kann da lustig sein, wenn’s einem an den Kragen geht“, antwortete die Katze, „weil ich in die Jahre komme, und mich der Job als Alltagsbegleiterin in der Altenpflege immer mehr schlaucht und ich lieber Freude an der Arbeit haben will, hat mich die Geschäftsführung von meinem diakonischen Pflegeheim doch glatt ersäufen wollen; ich bin zwar in ver.di eingetreten, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin?“ „Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.“ Die Katze hängte den Job als Alltagsbegleiterin an den Nagel und ging mit.

    Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. "Du schreist einem durch Mark und Bein", sprach der Esel, "was hast du vor?" "Die Ausbildung in der Altenpflege ist der schönste Ausbildungsberuf im ganzen Lande habe ich prophezeit", sprach der Hahn, "weil die Frau Heimleitung aber bei den Pflegesatzverhandlungen geschlafen hat und ihr Buchhalter auch nicht unbedingt klüger ist, haben sie zu wenige Pflegestellen verhandelt. Jetzt fehlt ihnen an allen Ecken und Enden Personal und nun haben sie doch kein Erbarmen und wollen mich Tag und Nacht als Pflegefachkraft einsetzen. Und wenn ich eine Ausbildung einfordere und eine höhere Ausbildungsvergütung, dann drohen sie mir den Kopf abzuschneiden. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann." "Ei was, du Rotkopf", sagte der Esel, "zieh lieber mit uns fort, wir machen als Stadtmusikanten solange Rabatz bis wir etwas Besseres für die Altenpflege erkämpft haben; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben." Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.

    Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in den Wald, wo sie übernachten wollten. Doch ehe sie einschliefen, sahen sie in der Ferne ein Haus, in dem noch Licht war.

    Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor einem hell erleuchteten Hause standen, vor dem ein Schild stand auf dem zu lesen war: „90. Gesundheitsministerkonferenz Bremen“.

    Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. "Was siehst du, Grauschimmel?" fragte der Hahn. "Was ich sehe?" antwortete der Esel. "Einen gedeckten Tisch mit einer elend langen Tagesordnung und einem Spruch von dem niemand satt wird: „Gesundheit ist ein Thema das alle berührt.“ Die Herrschaften sitzen da und ich kann nix erkennen, was uns armen Altenpflegerinnen und Altenpflegern auf unsere alten Tage das Leben gut werden lässt.

    "Das wäre was für uns, wenn wir aus dem Laden eine wunderschöne Alters-WG machen könnten“ , sprach der Hahn. "Ja, ja, ach, wären wir da!" sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müßten, um die Herrschaften hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mußte sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf.

    Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten. Die Gesundheitsministerinnen und -minister fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht noch vor der Bundestagswahl in den Wald  hinaus.

    Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten. Wie die vier Spielleute fertig waren, schrieben sie schnell noch sämtliche Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz um, so dass am Ende mehr Stellen in der Pflege im ganzen Lande beschlossen waren. Sie machten Pläne für eine wunderschöne Alten WG, löschten das Licht aus und suchten sie eine neue Schlafstätte.

    Und so blieben die Bremer Stadtmusikanten im besetzten Haus und verbündeten sich mit Allen im Lande, die für mehr Stellen in der Pflege noch heute eintreten. Sie machen bis heute Rabatz für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege denn:

    „Ein besseres Leben in der Altenpflege schaffen wir selber morgen allemal!“

    Quelle: „Kinder- und Hausmärchen" Brüder Grimm
    Bearbeitung: Norbert Proske für die Bundesfachkommission Altenpflege